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Was ist eigentlich time to market und wie kriegt man sie möglichst kurz?

Kind auf Rückbank im Auto

Die Frage aller Fragen … sind wir bald da?!

Das alte Mantra: Die time to market ist zu lang! Wir müssen schneller werden! Und so weiter. Alles schon 1000mal gehört. Die Lösungsansätze auch:

  • Workshops, in denen – am besten noch mit externer Unterstützung -$$$ cha-ching!!! $$$ – beleuchtet wird, wo man noch Potenziale heben könnte.
  • Reviews, in denen alle nochmal „in sich gehen“ und überlegen, wo sie denn noch ein paar Prozent hätten rausholen können.
  • Retrospektiven, in denen sich die Teammitglieder nochmal gegenseitig „Feedback“ geben sollen, was sie den falsch, pardon, was sie denn hätten besser machen können.

Und wenn das Projekt noch läuft? Dann bitte nochmal das gesamte Backlog durchgehen und neu schätzen. Gerne auch kritisch die Aufwände hinterfragen! Kosten- und Komplexitätstreiber sichtbar machen! Lieb gewonnene Gewohnheiten über Bord werfen, wenn sie dem Fortschritt im Weg stehen – man kann ja schließlich nicht jeden Bug fixen! (Oft hört man auch – mit Augenzwinkern – „am besten gar keine Bugs einbauen!“  Ha. Ha. Ha.) Quick and dirty tut’s hier doch auch mal – bitte keine Goldkanten einbauen! Wir können doch nachher noch aufräumen!

Okay, ich muss aufhören – das regt mich selbst schon wieder auf. Meine Güte!

Die meisten Teammitglieder werden solche Sätze schon gehört haben. Wie ich zu der Einschätzung komme? Unterhaltet euch mal mit Scrum Mastern – egal aus welchem Unternehmen. Und irgendwie klingen sie in den Einzelfällen auch ganz vernünftig – eh klar. Dennoch ist der richtige Zeitpunkt gekommen, auf die Bremse zu treten, wenn solche Dinge gesagt werden: Erstens ist man dann eh schon in der verfahrenen Situation (wie ich gelernt habe sagt man in Dänemark, dass das Klohäuschen bereits brennt). Und zweitens spiegeln die o.g. Sätze einen sehr verengten Ausschnitt aus der Wirklichkeit wider.

Aber eins nach dem anderen.

Wie lang ist eine zu lange time to market eigentlich?

Hat das eigentlich irgendwer mal herausgefunden? Gerne gibt’s darauf Antworten wie „je schneller, desto besser!“ Sollte man sich mit dieser Antwort zufrieden geben? – Rhetorische Frage. Hier ein Vorschlag, was man stattdessen tun sollte: Sich mal hinsetzen und

  1. Analysieren wie lang die time to market durchschnittlich tatsächlich ist.
  2. Wenn möglich: die time to market der Mitbewerber einschätzen.
  3. Herausfinden, wo die „Schallmauer“ liegt, die Laufzeit, die im Schnitt nicht unterschritten werden kann. (Oh ja, die gibt es, denn man kann nicht alles beliebig parallelisieren.)
  4. Die einzelnen Projektphasen – also die Phasen, aus denen die time to market besteht – untersuchen: wie gut laufen sie, bei welchen kann man noch was rausholen und bei welchen wird es unverhältnismäßig teuer an der Schallmauer zu kratzen / sie zu durchbrechen?

Wenn man das hat, kennt man sich / die Organisation ein gutes Stück besser. Dann weiß ich auch, ob ich realistischer Weise erwarten kann, dass es an einer bestimmten Stelle weiter geht oder ob erst Änderungen an den Rahmenbedingungen notwendig sind, um etwas zu beschleunigen. Mal nebenbei bemerkt: diese Änderungen an Rahmenbedingungen vorzuschlagen … das wäre doch was für den Scrum Master, oder?! Genau.

DISCLAIMER: Bevor es jetzt wieder los geht mit Sprüchen wie „es galt als unmöglich, bis einer kam, der das nicht wusste …“ und ähnlichen. Es handelt sich um eine permanente Betrachtung. Das ist nichts, was man einmal macht und das war’s dann. Das läuft kontinuierlich. Und mit der Zeit ergeben sich Spielräume, wackeln Schallmauern – ja, da braucht es Beharrlichkeit. Okay, weiter im Text …

Doofe Frage: was ist die time to market?

Ganz ehrlich? So doof ist die Frage gar nicht. Weiter oben habe ich gesagt, dass wir oft mit einem sehr verengten Ausschnitt der Wirklichkeit zu tun haben. Schauen wir uns das nochmal an. Wenn die time to market verbessert werden soll, dann ist – s.o. – in der Regel das Team Gegenstand aller Betrachtungen. Da wird gerne haarklein jeder Task auseinander genommen, warum es hier einen viertel Tag länger gedauert hat, dort einen halben etc.

Was jedoch niemand macht (okay, okay, meine Leser bestimmt): Die Inputseite betrachten.

Die time to market teilt sich in folgende Abschnitte (hier mal ein Beispiel, im Wesentlichen sollte es für fast alle cases passen):

  1. Produktidee
  2. Business Case aufstellen
  3. Überarbeitung der Produktidee / Anpassung für Business Case
  4. Beschreibung der Anforderungen / MVP
  5. Konzeptions- / Designphase
  6. Umsetzung
  7. Livegang / Inbetriebnahme

Die Punkte 5 bis 7 beschreiben die Outputphase – hier wird das Produkt hergestellt. Screens / Designs werden erstellt, Code wird geschrieben, das Ding wird installiert und ausgerollt. Aber das ist nur ein Ausschnitt. Die Punkte 1 bis 4 gehören genauso dazu, werden jedoch bei den meisten Workshops, Reviews und Retrospektiven gerne außen vor gelassen.

Und da liegt der Fehler.

Beispiel gefällig? – Rhetorische Frage. Wieder.

Was bringe ich schneller an den Start:

  • Ein echtes MVP oder
  • ein full featured Produkt mit allen möglichen Sonder- und Komfortfunktionen?

Womit tun sich die Teammitglieder einfacher:

  • Mit vollständig und klar beschriebenen Anforderungen, Zielen die erreicht werden sollen, was sie zu lösen habe (aus Usersicht – ja, aus Usersicht, ganz umgangssprachlich beschrieben), oder
  • mit Wunschlisten und ausschnitthaften Vorgaben, wie sie etwas zu lösen haben (mitunter ohne zu wissen was das ist)?

Merkste selber, ne?!

Und wie verkürzen wir nun die time to market?

Wenn die Abläufe im Team passen, die Infrastruktur (IT, Server etc.) steht, dann ist die nächste Stellschraube auf der Inputseite. Punkt. Das Team wird mit dem Scrum Master die eigene Arbeitsweise immer im Blick behalten und daran arbeiten performant zu bleiben bzw. performant zu werden.

Wer dann aber weiter Druck auf das Team gibt, ohne die Inputseite aufgeräumt zu haben, hat keine Ahnung was er / sie da tut und sollte einfach in seinem / ihren Büro bleiben und auf Youtube Katzenvideos schauen.

Freigabeprozesse, Business Cases, Anforderungen, Minimum Viable Product – DAS sind die Punkte die sauber abgedeckt sein müssen. Nebenbei bemerkt: wenn das sauber steht, tut man sich auch leichter das Team anzuspornen. Wie gesagt, nur mal so nebenbei bemerkt.

Zwei einfache Tipps:

  1. Macht euch bewusst, dass die time to market größer ist, als die reine Laufzeit im Umsetzungsteam und was eure Erwartungen an die time to market sind.
  2. Beschleuningt die Teamperformance mit klaren Anforderungen / Erwartungen, das könnt ihr beitragen und das ist eine ganze Menge! Wird so oft übersehen.

… dann fängt das Klohäuschen erst gar nicht Feuer. Und das ist besser, als wenn man später löschen muss. Immer.

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Schönen Samstag!